Dienstag, 31. Juli 2012

1. Etappe: Oskarshamn -> Nynäs

 Anreise aus Berlin über Stockholm nach Oskarshamn

Wir sind von Berlin-Tegel nach Stockholm mit Air Berlin geflogen, da wir schon 4 Monate zuvor Hin- und Rückflug gebucht hatten, waren die Flüge mit ca. 150 EUR pro Person für Hin- und Rückflug sehr günstig. Außerdem geht es sehr schnell: 1:45 Flugzeit. Man landet dann in Stockholm-Arlanda. Der Flughafen ist ca. 40 km außerhalb der Stadt und es gibt zahlreiche Möglichkeiten in die City zu gelangen. Wir haben die günstigste gewählt: Flygbussarna, ein Bus für ca. 8 EUR, er fährt alle 10-15 Minuten von Arlanda zum Hauptbahnhof und die Busfahrt dauer 45 Minuten. Tickets hatten wir schon in Deutschland online problemlos gekauft.
Gamla Stan vom Stadhuset ausgesehen
Laternen in einer Gasse in Gamla Stan

Stockholm aus der Sicht von den "Klippen" in Södermalm

In Stockholm blieben wir 2 Übernachtungen im Hostel STF Fridhemsplan. Das Hostel ist sehr zu empfehlen. Bei der Hostelsuche allgemein sollte man anmerken, dass es wohl ziemlich egal ist wo das Hostel in der Innenstadt liegt, da in Stockholms Innenstadt wirklich alles fußläufig zu erreichen ist. Wenn man also Stockholm (wie ich finde die schönste Stadt der Welt und vorher meinte ich immer Hamburg wäre die schönste Stadt der Welt) besuchen möchte, so ist es völlig egal wo das Hostel ist.
Löwe am Stadhuset

Blick von Södermalm aus

Gasse in Gamla Stan

Der Ostkustleden fängt ja nahe Oskarshamn an und dorthin sind wir mit einem Überlandbus gefahren. Für die Hinfahrt nutzten wir Stockholmsexpressen und für die Rückfahrt von Oskarshamn nach Stockholm Swebus.
Die Bus-Infrastruktur in Schweden ist sehr gut ausgebaut und außerdem ist Busfahren (im Vergleich zum sonstigen Preisniveau) relativ günstig. Für 500 SEK sind wir zu zweit nach Oskarshamn gekommen. Man sollte die Busverbindungen aber schon frühzeitig online von Deutschland aus buchen, denn wir mussten die Erfahrung machen, dass der Swebus für den Tag den wir eigentlich von Stockholm nach Oskarshamn fahren wollten ausgebucht war. Beide Busunternehmen haben moderne, komfortable Reisebusse. Aber der Swebus ist fast bis auf den letzten Platz voll gewesen, wohingegen der Stockholmsexpressen leerer und dadurch angenehmer erschien. Immerhin dauert die Busfahrt ca. 5 Stunden. Im übrigen war der Stockholmsexpressen leicht günstiger und schneller.

Oskarshamn hat einen netten Hafen, ist aber für Deutsche Verhältnisse eher ein Dorf. Aber Supermärkte, Bars und Restaurants und ein relativ großer Busbahnhof, sowie Fährverbindungen etc. sind vorhanden. Immerhin ist es die größte und eigentlich einzige Stadt im Umkreis von mehr als 60 km und daher gibt es dort mehr, als die reine Einwohnerzahl vermuten ließe. 60 km im Norden liegt das etwas größere Västervik und 70 km im Süden das im Vergleich schon großstädtische Kalmar. Sonst ist rundherum um Oskarshamn eigentlich nur "wilde Natur" in die ein paar winzige Dörfer und Ansammlungen von Bauernhöfen und Ferienhäusern eingestreut sind.

In Oskarshamn hatten wir jeweils am Anfang und am Ende unserer 8-Tage Wandertour ein Hotelzimmer im Hotel Hotell Rum Oskarshamn gebucht. Ein Doppelzimmer kostet 800 SEK inklusive Frühstück. Das hört sich etwas teuer an, aber da das Frühstück inklusive ist und das Frühstück einfach nur genial ist, kann man das Hotel auch für low-budget Reisende (wie wir es waren/sind) empfehlen. Das Hotel hat auch Hostel-Zimmer, die günstiger sind, aber solch ein stärkendes Frühstück vor und nach der anstrengenden Wandertour ist wirklich sein Geld wert. Das Hotel ist im übrigen direkt gegenüber der Busstation Oskarshamn Resec (= Oskarshamn Resecentrum, = Reisezentrum) und falls man spät Abends mit dem Bus ankommt, so muss man nur einmal über die Straße fallen und liegt quasi schon im Bett - perfekt.

Die eigentliche Etappe

Der Wanderweg startet nicht direkt in Oskarshamn, sondern im "Vorort" Lilla Hycklinge. Dorthin fährt ein Stadtbus von Oskarshamn Resec, was ca. 10-15 Minuten dauert. Am besten fragt man im dortigen Resecentrum welchen Bus man nehmen soll und fragt den Busfahrer, ob er einen an der richtigen Station rausschmeißen kann. Von der Busstation geht man ca. 10-15 Minuten den mit "Ostkustleden" ausgeschilderten Weg zur 1. Hütte "Lilla Hycklinge". Die Hütte, wie alle anderen, gibt u.a. sich dadurch zu erkennen, dass dort zwei blaue Wegweiser für den Wanderweg in und gegen den Uhrzeigersinn stehen.
Nun muss man entscheiden wie rum man den Wanderweg gehen möchte. Falls man Richtung Nynäs geht, so folgt man der Beschreibung der Broschüre und macht zuerst die "Waldetappen", außerdem sind die Wege sehr gut makiert. Richtung Hedvigsberg kommen zuerst die "Ostseeetappen", d.h. weniger Mücken, mehr Zivilisation, aber (zumindest mein Empfinden) schlechtere Markierung. Wir sind nach Nynäs gegangen.
Markierung des Ostkustleden

Die Etappe ist 17 km lang. Als Wanderanfänger denkt man, dass das ja sehr kurz ist, denn man schafft doch 5 km pro h, richtig? Dann sollte man ja wohl spätestens nach 5 h dort sein (inklusive ausegdehnter Pausen). Dem ist offensichtlich nicht so. Zur Zeitplanung sollte man eher 3-4 km/h als Durchschnittswandergeschwindigkeit einplanen. Gerade bei kleinen Pfaden durch die Wälder über Stock und Stein kommt man sehr langsam voran.

Um 10:30 starteten wir in Lilla Hycklinge (was für Wanderer sehr sehr spät ist). Aufgrund eines starken Schauers viel unsere Mittagspause ins Wasser und wir konnten gerademal ein trocknes Knäckebrot zu uns nehmen. Denn als wir gerade unser Gepäck absetzten fing es schon langsam an zu Regnen. Um 15:00 erreichten wir Lammedal und der Rest des Weges war sehr verregnet, so dass wir mit durchgeweichten Schuhen und Hosen um 16:30 in Nynäs ankamen.
Ich war wirklich sehr erschöpft und es war wirklich ein sehr schönes Gefühl, als man die Hütte erreichte, der Regen stoppte und sogar blauer Himmel sich zeigte und man Barfuß bzw. nicht in Wanderschuhen zum dortigen Brunnen zum Wasserholen lief.
Der Brunnen in Nynäs

Der Wegweiser vor der Hütte in Nynäs

Die Hütte hat keinen Strom und kein fließend Wasser sowie zwei "Trockentoiletten" aka Plumpsklos. Die Hütte riecht etwas brandig, da es wohl schwierig ist den Ofen rauchfrei zu betreiben, wie man im dortigen Gästebuch nachlesen kann. Wir haben die Öfen nicht benutzt, sondern auf unserem Campingkocher Reis und Tütensuppe gekocht.

Das Wasser im Brunnen ist glasklar und schmeckt super. Es muss nicht abgekocht werden (zumindest haben wir es nicht gemacht und hatten keinerlei Beschwerden). Als wir (Mitte Juli) dort waren war der Brunnen aber schon verdächtig leer, aber gab uns noch genügend Wasser. Falls der Brunnen leer ist, muss man gut 1  km zum nächsten See zum Wasserholen gehen und das Seewasser muss definitiv abgekocht werden.

Im Übrigen stellte ich mir das See- und Bachwasser in Schweden als glasklar und immer und überall genießbar vor. Dem ist NICHT so. Das Wasser (zumindest auf den Waldetappen) ist klar, aber hat eine bräunliche Farbe, vermutlich durch im Wasser vermodernde Stöcker und Blätter usw. Bachwasser kann man eigentlich nie trinken, selbst abgekocht würde ich es nur in absoluten Notfällen trinken. Seewasser sieht schon vertrauenswürdiger aus, aber ich habe es nur in abgekochtem Zustand getrunken und auch nur, wenn kein anderes Wasser verfügbar war.

Die Hütte in Nynäs hat 2 Stockwerke und ist eigentlich recht gemütlich. Türen sollte man immer schließen, um der Mückenplage zu entgehen. Der Schlafraum (man kann zwischen 2 Räumen wählen) sollte auch frühzeitig Mückenfrei gemacht werden (alle Mücken totschlagen) und dann die Tür verschlossen werden. Nachts machten wir eine neuartige Erfahrung, die eigentlich offensichtlich ist, woran wir aber nicht dachten. Als es dunkel war und wir eigentlich schon längst schliefen hörte man trapsende Geräusche. Zuerst lief in den Wänden und auf dem Dach etwas hin- und her und dann auch im unteren Hausgeschoss. Eine Maus! Ich bin mit Besen bewaffnet und Barfuß (und hoffte das mir die Maus nicht in den Fuß beißt) nach unten getorkelt und sah dann wie die Maus panisch über die Dielen schlitterte und irgendwo unter einem Sofa verschwand. Wir hatten unsere Essensvorräte achtlos auf dem Boden verteilt, was sich als Fehler erwies. Zum Glück hatte ich die Maus früh genug gehört, so dass sie keine Zeit hatte unsere Vorräte anzuknabbern, aber im Gästebuch las ich, dass es anderen Wanderern schlechter erging.
Ich klaubte alle Essensvorräte zusammen und trug sie ins Obergeschoss in unseren Schlafraum und schloss die Tür. In den folgenden Hütten hingen wir alle Vorräte immer hoch auf (z.B. an Gardrobe oder Wäscheleine usw.). Bis darauf, dass in Mörtfors (4. Etappe) eine Maus unsere letzten beiden Kekse anknabberte, haben die kleinen Nager uns keinen weiteren Ärger beschert.

Unsere Wäsche trocknet an der Hütte in Nynäs

Die Hütte unserer 1. Übernachtung am Ostkustleden
Nun noch ein Wort zur "Trockentoilette"... Es sind 2 und benutzt nicht die mit dem Herzchen auf der Tür, denn dort ist ein Wespennest. Ich habe die Tür geöffnet und stand in einem Wespenschwarm. Zum Glück habe ich keinen Stich bekommen, aber das war schon ein kleiner Schreck. Sonst sind Plumpsklos weniger schlimm als ich gedacht hatte. Vom Gestank her überhaupt nicht schlimm maximal so schlimm wie ein Kuhstall.

Die zweite Etappe folgt morgen.

Montag, 30. Juli 2012

Wandern in Schweden - Ostkustleden -

Diesen Sommerurlaub haben wir in Form eines Wanderurlaubs in Schweden, rund um Oskarshamn, verbracht. Da wir (ich und meine Freundin) totale Wanderanfänger sind bzw. waren, berichte ich im folgenden von diesem wundervollen aber anstrengenden Urlaub und hoffe gute Tipps für andere Wanderanfänger zu geben.

Oskustleden

Der Ostkustleden ist ein in 8 Tagesetappen unterteilter Wanderweg in Småland, der größenteils durch unberührte Natur (hauptsächlich Wald) auf unbefestigten Pfaden führt. Am Ende jeder Tagesetappe steht eine mehr oder weniger luxuriöse Hütte zur Übernachtung bereit. Das Proviant muss über mehrere Tage mitgenommen werden, da es erst nach der 5. Etappe einen überteuerten Laden gibt. Öfters muss auch das Wasser aus Brunnen geholt werden oder Seewasser abgekocht werden da kein fließendes Wasser in den Hütten vorhanden ist. Der Weg und die Hütten werden vom DNF (Döderhults Naturschutzverein: naturskyddsforeningen.se/doderhult) unterhalten und man ist angehalten für jede Übernachtung 50 SEK am Ende der Reise zu überweisen (IBAN usw. sind in der englischsprachigen Broschüre angegeben). Eine Beschreibung des Wanderweges und jeder Etappe bekommt man hier: Ostkustleden.pdf. Diese Broschüre ist von 2004 aber im großen und ganzen aktuell. Im folgenden Artikel werde ich auf einige Abweichungen hinweisen.

Der Wanderweg führt durch Wälder und an zahlreichen Seen vorbei, in denen man sehr gut baden kann sowie ein Stück an der Ostsee entlang. Bis auf kleine Streckenabschnitte ist der Wanderweg leicht, d.h. wenig Steigung und gut makiert. Die Herausforderung dieses Wanderweges liegt eher darin, dass man Proviant für mindestens 4 Tage mitnehmen muss. Möchte man den Weg ohne Pausetag mitsamt Einkaufstour ins 15 km entfernte Fårbo unternehmen, so muss man gar für 7 Tage Proviant mittransportieren.
Anfangs hört sich das als Afänger als sehr schwer bis unmachbar an, aber im Grunde ist es machbar, wie wir gemerkt haben. Wir hatten für 4 Tage Proviant eingeplant, merkten dann aber, dass wir (insofern wir uns ein wenig einschränkten) für 8 Tage ausreichend Proviant mithatten.

Packliste für Anfänger

Wir sind totale Wanderanfänger und haben uns von anderen Packlisten die im Netz herumgeistern inspirieren lassen. Am Ende stellten wir fest, dass wir eigentlich alles genutzt hatten, was wir mitgenommen hatten. Aber es gibt trotzdem noch leichtes Einsparpotenzial. Außerdem sei angemerkt, dass diese Packliste speziell für die Gegenbenheiten dieses Wanderweges im Sommer angepasst ist. D.h. wir brauchten kein Zelt, da am Ende jeder Etappe eine Hütte erwartet werden konnte usw.

Gewicht

Zum Gewicht: Im Netz geistert die Daumenregel herum, dass das Gewicht des Rucksacks mit aufgefüllten Wasserflaschen nicht 1/4 bis 1/3 des Körpergewichts überschreiten sollte.
Mein Rucksack wog vor dem Abflug ohne befüllte Flaschen, wohl aber mit Proviant für 4 Tage (was sich als Proviant für fast 8 Tage herausstellte) 16,4 kg. Am Start der Etappe füllte ich 2l Wasser auf (also 2 kg), nahm noch 1l H-Milch mit (+1 kg) sowie ca. 600g Butan (2 Gaskartuschen). Damit lag mein "Kampfgewicht" wohl bei gut 20 kg. Dieses Gewicht war ok, ich hätte wohl noch 2-5 kg mehr schleppen können, aber je weniger Gewicht, desto weniger Schmerzen und desto mehr Spaß! Das Rucksackgewicht nahm in Folge des Wanderweges natürlich merklich ab, da das Proviant dezimiert wurde.

Der Rucksack meiner Freundin wog mit befüllten Wasserflaschen nur 11 kg!!! Man muss aber sagen, dass sie sehr viel professionellere Treckingkleidung hatte (aufgrund stärkerer Finanzkraft) und überhaupt Frauenkleidung sehr viel leichter ist, als Männerkleidung.

Mein Rucksack:

  • Schlafsack Meru (360g) für Temperaturen > 10 Grad. Ich habe darin geschwitzt wie ein Bär. Ich hätte also einen noch dünneren Schlafsack kaufen sollen.
  • Isomatte (330g). In den Hütten gibt es zwar Betten mit Matratzen, aber Isomatten sind hervorragend um auch auf nasser Wiese sich bei einer Pause setzen zu können oder als "Liegehandtuch" am Badesee. Außerdem waren die Betten meistens relativ "süffig", so dass die Isomatte den Ekelfaktor beim Schlafen minimierte. (Nein, sooo eklig sind die Betten nun nicht, aber halt auch nicht frisch bezogen)
  • Topf mit Deckel den man als Teller nutzen kann. Kleine Blechschale sowie Besteck, scharfes Messer, Becher
  • Campingaz-Kocher -> Kocher hätte man nicht mitnehmen müssen und Topf sowie Besteck usw. auch nicht unbedingt (erhöht aber Komfort und Hygiene). Jede Hütte hatte mindestens einen Holzofen und rudimentäre Küchenausstattung (Töpfe, Teller usw.). Einige Hütten hatten auch Strom und Herdplatten. Wenn man gerne einen Holzofen bedient und kein Problem hat ein wenig Holz zu schlagen, so kann man auf den Kocher verzichten. Ob man auf Teller usw. ganz verzichtet, weiß ich nicht, da es in Wanderpausen sehr praktisch ist sich auf einem Teller ein Brot zu schmieren und nicht auf dem Oberschenkel. WICHTIG: Kauft keinen CAMPINGAZ-Kocher extra für Schweden, da die blauen campingaz Kartuschen quasi nicht zu kaufen sind in Schweden. Für Schweden sollte man einen Kocher besitzen, der mit den grauen Kartuschen arbeitet, oder gar einen Benzin/Spirituskocher. In Stockholm kann man bei Naturkompaniet in der Filiale im Sveavägen die blauen Kartuschen erstehen. Aber das ist die Ausnahme und ich glaube kaum, dass man außerhalb von Stockholm an diese Biester kommt. Tankstellen verkaufen nur die grauen Kartuschen.
  • Karte, Kompass, Taschenlampe. Es ist ratsam sich die entsprechenden Kartenblätter einer Topologischen Karte zu kaufen, da man so auch weiterfindet, wenn die gelben Wegmarkierungen verschwunden sind, oder man wissen möchte, wo der nächste Hof, Straße etc. ist. Wir hatten die Blätter 536, 548 und 549 der TERRÄNGKARTAN vom Lantmäteriet Verlag. Karten bekommt man im Buchgeschäft, z.B. in der Vasagatan in Stockholm. In Oskarshamn kann man aber auch noch Karten erstehen.
  • Handtuch, Badehose
  • All-round Waschmittel (gibt es z.B. bei Globetrotter) wäscht Körper, Haare, Geschirr und Wäsche. Für uns war die 250 ml Flasche ausreichend. 100 ml wären zu knapp gewesen.
  • 1. Hilfe (Pflaster, Verband, Rettungsdecke, Trillerpfeife usw.), Blasenpflaster, Wunddesinfektionsmittel
  • Autan!!! Im Sommer gibt es viele viele Mücken. Ein Muss!
  • Sonnencreme
  • Fleecejacke
  • Wandersocken (oder Billigvariante: Über normale Socken Wollsocken von Oma anziehen)
  • Wanderschuhe: Über den Knöchel gehend, stabil und gut. Der Weg geht über Stock und Stein, wer keine richtigen Wanderschuhe hat, die auch mal gut 10 cm im Matsch versinken können ohne dass es oben reinläuft hat verloren
  • Normale Schuhe: Ich hatte Joggingschuhe mit, sehr bequem und relativ leicht
  • Feuerzeug + Streichhölzer
  • Regenponcho. Kostet zwar unverhältnismäßig viel für das bisschen Plastik, ist aber genial. Ein Schauer bahnt sich an, man sagt seinem Wanderpartner kurz, "hol mal meinen Poncho raus" und zieht in sich über. Auch der Rucksack ist unter dem Poncho und selbst bei sturzflutartigem Regenfall werden nur die Schuhe und das untere drittel der Hose nass. Genial und ein Muss.
  • 2 lange Hosen, 4 T-Shirts, 4 Unterhosen, Gürtel, 4 Paar Socken. (Hierbei hatte ich immer 1 Hose, immer die gleiche, als Wanderhose an und die zweite Hose zog ich nur an, nachdem ich gebadet hatte und am Ziel angekommen war. 4 T-Shirts, 4 Unterhosen usw. ist viel zu viel. Es reichen 2 T-Shirts, 1 Unterhose (+ die Badehose) und 1 Paar Socken zzgl. den Wandersocken. Der Plan ist dann, dass man mit Badehose als Unterhose + T-Shirt und der langen Wanderhose wandert (lange Hose ist im Übrigen Pflicht, da man sonst gegen die Mücken absolut verloren hat und teilweise durch hohes Gestrüpp läuft) und dann Abends die Wandermontur wäscht und über Nacht trocknet.
  • Zahnpasta, Zahnbürste
  • Kaffeefilter+Kaffee+Kaffeefilteraufsatz
  • Tee
  • Plastiktüten + Klips (so viel wie möglich mitnehmen. Wir hatten einige mit, aber es waren doch immer zu wenige, gerade die Klips)
  • Wäscheleine, Wäscheklammern
  • Fotoapparat (wir hatten sogar eine riesen SLR mit)
  • Sonnenbrille und falls man es mag eine Cap
  • Klopapier
  • Kontaktlinsenflüssigkeit und Ersatzkontaktlinsen. Desinfektionsmittel. In dieser Kombination hatten meine Augen keine Probleme.
  • Trinkflasche + Karabiner, 1 l PET-Flasche, 0,5 l PET-Flasche für H-Milch.
  • MyBottle (Trinkflasche mit Filtereinsatz um Seewasser unabgekocht trinken zu können). Diese Flasche hat 54 Euro gekostet, wir haben sie auch 1-2 mal genutzt. Aber man kann auch ohne auskommen. Wer auf Nummer sicher gehen sollte, sollte sich also über Wasserfilter schlau machen. Diese MyBottle kann ich nicht empfehlen, da man aus ihr nur "nuckeln" kann und man nicht einfach Seewasser filtern und in andere Flaschen umfüllen kann. Aber prinzipiell ist ein Wasserfilter-System in irgendeiner Art sinnvoll (aber leider auch sehr teuer).
  • Taschenmesser
  • Handy, Ladegerät (Mini-USB)
  • Buch, Schwedisch Wörterbuch
  • Proviant-Sack
  • Paketband, 1 Stumpfkerze
  • Tigerbalsam aka Traumel (Um Zerrungen usw. zu behandeln)
  • 2 mal Campingaz Kartuschen

Freundins Rucksack

Ihr Rucksack war kleiner als meiner und sehr viel leichter.
  • Teller, Besteck, Tasse
  • 2 Treckinghosen von Fjäll Raven. Aber nicht die ultraleichten Hosen, da die vermutlich zu schnell an Ästen usw. zerreißen würden
  • Regenjacke, Fleecejacke, Pullover-Jacke
  • 2 Regenschirme (Knirpse)
  • Strumpfhose, Sommerkleid
  • 3 Unterhosen, Sport-BH
  • 2 mal Wandersocken, 2 normale Socken
  • Wanderschuhe, Ballerinas. Die Ballerinas waren als "normale" Schuhe ein Fehlgriff. Zwar sehr leicht und klein, aber wenn man vorher noch ein paar Tage in Stockholm ist, so hat man sich damit schon Blasen gelaufen, bevor die Wanderung beginnt.
  • Systral (um Juckreiz durch Mückenstiche zu bekämpfen)
  • Tampons, Taschentücher, 1 Rolle Klopapier
  • 1 Stumpfkerze -> Sinnlos. In den Hütten gab es meistens genügend Kerzen und außerdem war man meist schon gegen 15 Uhr am Etappenziel und vor Einbruch der Dunkelheit hat man schon längst geschlafen.
  • Nagelknipser, Schminkspiegel (für Kontaktlinsen), Kajal usw.
  • Kindle: Leichter als 1 Buch, aber drin sind 1000 Bücher! Super!!!
  • Handy
  • Proviant-Beutel
  • Schlafsack
  • Isomatte
  • Zahnbürste, Teebaumöl
  • 1l Trinkflasche + 1l PET-Flasche
  • Trecking-Handtuch
  • Mini-Taschenlampe (Kann man drauf verzichten, wenn der andere schon eine Taschenlampe hat)
  • Cap
  • Sonnenbrille

Proviant

Wir haben unsere Tour so geplant, dass wir nach der 4. Etappe einkaufen wollten. Es stellte sich dann aber heraus, dass der Laden in Mörtfors schon seit Jahren geschlossen hat. Es stellte sich aber auch heraus, dass wir sowieso genug Proviant hatten.

Unser Wandertagesablauf spielte sich wie folgt ein: Frühstück, Wandern bis mind. die Hälfte geschafft war, dann ausgedehnte Mittagspause, 2-3 kurze Nachmittagspausen. Am Ziel Abendessen.

Mein Frühstück bestand aus Müsli. Daher nahm ich 750g (kleinste Müslipackung die ich im Supermarkt gefunden habe) mit sowie 2 mal 0,5 l H-Milch. Das funktionierte sehr gut, die angebrochene H-Milch goss ich in eine 0,5 l PET-Flasche. Am 5. Tag war aber die 2. H-Milch in der PET Flasche schlecht geworden. Man sollte daher pro H-Milch Paket eine frische Flasche verwenden.

Das Frühstück meiner Freundin bestand aus Schwarzbrot mit Marmelade. Das Schwarzbrot überstand die ersten Tage gut, zerbröselte dann aber zunehmend (war aber noch genießbar).
Dazu kochten wir uns Kaffee.

Das Mittagessen bestand aus Knäckebrot mit Käse für SIE und Wurst für IHN. Daher transportieren wir 1 Packung Wasa-Knäckebrot, 1 Harte Mettwurst (geräuchert), einen Hartkäse und eine Packung Schablettenkäse. Außerdem kauften wir 3 unreife Avocados, die dann am 2.,3. und 4. Tag reif wurden und dann Mittags verspeist wurden. Als Schmierfett wurde eine Packung Magarine mittransportiert und ein Glas Pesto (beide hielten die Reise erstaunlich gut durch)
Als Abschluss gab es Corny und Balisto (natürlich 1 pro Tag pro Person).

Die Nachmittagspausen wurden je nach Proviantlage 1-5 Kekse bzw. Tucs verdrückt.

Abends wurde Reis gekocht und dazu eine Tütensuppe. Bzw. Kuskus mit einer Tütensuppe. Der Vorteil an Kuskus ist die geringe Kochzeit und damit braucht man wenig Gas, falls man mit dem Gaskocher kocht. Beim Reis sollte man Basmatireis nehmen, da er die geringste Kochzeit hat.
Für den 1. Tag hatten wir eine Packung Tortellini und 1 Glas Soße mit. Das wurde am 1. Tag vertilgt und unser Rucksackgewicht reduzierte sich merklich.
Insgesamt hatten wir 500 g Reis und 250g Kuskus mit. Dies hätte 6 Tage gereicht und bei geeigneter Rationierung auch 8 Tage (an den ersten Tagen hatten wir uns fast zu voll gefressen).
Außerdem transportierte ich noch 4 Tafeln Rittersport mit, so dass jeden Abend eine Tafel Schoko vertilgt werden konnte.

Als Genuss nahmen wir noch eine Schachtel Zigaretten mit (Drogen müssen sein und die sind leichter als Alkohol). Am 5. Tag gingen wir einkaufen und ich transportierte für die 5.,6.,7. Etappe eine Dose Bier pro Person (Six-Pack).

Alsbald werde ich jede einzelne Etappe beschreiben. Bisdahin viel Spaß beim Packen

Montag, 26. September 2011

Gravitative Zeitdilatation

So, weiter gehts mit den Neutrinos :-)
Im Erdgravitationsfeld kann folgende Gleichung verwendet werden:
T=T0(1+gh/c²)
Dabei ist T0 die Zeit, die bei h=0 und g die Erdbeschleunigung. Der Höhenunterschied zwischen Gran Sasso und CERN ist maximal 1000 m. Daraus folgt ein Laufzeitunterschied zwischen beiden Uhren aufgrund von unterschiedlich viel Masse "unter ihnen" von ca.
ΔT=gh/c²=T0*1*10⁴/(9*10¹⁶)  < T0*10⁻¹².
Offensichtlich ist dieser Effekt viel viel zu klein um die 60 ns Zeitunterschied bei einer Gesamtflugzeit von T0=2 ms zu erklären.

Betrachten wir noch zwei klassische Effekte:
Zentrifugalkraft:
FZ=m ω² r
Wobei ω die Rotationsgeschwindigkeit der Erde und r der senkrechte Abstand von der Rotationsachse. Da Gran Sasso näher am Äquator liegt als CERN ist dort auch der senkrechte Abstand zur Erdachse größer und damit die Zentrifugalkraft auf die Neutrinos. Da es hier um das Abschätzen von Effekten geht, nehmen wir die maximale Zentrifugalkraft an und lassen sie die ganzen 2 ms auf die Neutrinos wirken. Die maximale Beschleunigung ist in Gran Sasso aufgrund von Zentrifugalkräften
a(max)=ω² r(max) = ω² R cos(θGran Sasso)=7 * 10⁻³ m/s²
Nun lassen wir diese Beschleunigung a 2 ms auf die Neutrinos wirken. Dies führt zu einer Geschwindigkeitserhöhung von v=a*t=7 * 10⁻³ m/s² * 2 ms=14* 10⁻6 m/s.
Was in einer Distanz von 28* 10⁻⁹ m resultiert. Nicht berücksichtigen der Zentrifugalkraft würde also in der Größenordnung von nm liegen und kann auf keinen Fall 18 m erklären.

Corioliskraft
Die Corioliskraft hängt von der Geschwindigkeit der Teilchen ab und von der Äquatornähe (der obige Winkel theta ist nun durch 90°- phi gegeben).  Hier sind die Formeln für die Corioliskraft für östlich fliegende Teilchen (zeigt in N-S-Richtung) und für nördlich fliegende Teilchen (also "minus südlich fliegend") und wirkt in W-O-Richtung.
  F_\mathrm{C, N} = - 2 \cdot m \cdot \omega \cdot v_\mathrm{O}\cdot \sin \varphi

 F_\mathrm{C, O} = 2 \cdot m \cdot \omega \cdot v_\mathrm{N}\cdot \sin \varphi
Genauso wie oben wirken die größten Corioliskräfte in Gran Sasso. Die Neutrinos haben Geschwindigkeiten in der Größenordnung von c. Die jeweiligen Komponenten in W-O-RIchtung bzw. N-S-Richtung sind natürlich kleiner. Aber wir wollen sehr konservativ rechnen und nehmen dafür bei beiden Komponenten c.
Dies führt zu folgenden Coriolisbeschleunigungen:
a = 2*c*ω*cos(θ) = 9100 m/s²
Wie oben rechnen wir diese Beschleunigung auf eine Strecke um:
L=9100 m/s² * 2 ms * 2 ms =0,04 m
Die Corioliskraft würde also sqrt(0,04²m²+0,04²m²) = 0,06 m von 18 m erklären.

Also: Keine klassischen Effekte aufgrund dessen, dass das Experiment nicht in einem IS stattfindet, können die 18 m bzw. 60 ns die die Neutrinos "abgekürzt" haben bzw. "zu schnell" waren, erklären.
Weder gravitative noch speziell relativistische Zeitdilatation liegen in der Größenordnung dass sie auch nur ansatzweise einen Einfluss haben können.
Im ersten Artikel zu den Neutrinos hatte ich auch schon die Raumverzerrung (Stichwort Gravitationslinseneffekt) berechnet und gezeigt, dass dieser Effekt zuerst eine Streckenverlängerung verursacht und auch nicht in der gesuchten Größenordnung liegt.

Der letzte noch zu untersuchende Effekt, der noch in zahlreichen Blogs "diskutiert" wurde, ist der Lense-Thirring-Effekt (Gravitomagnetischer Effekt, der z.B. dafür verantwortlich ist, dass die Bahnebene des Mondes aufgrund der Eigenrotation der Erde sich verschiebt).
Ich denke, dass dieser Effekt einen noch geringeren Einfluss hat als die bislang diskutierten.
Aufgrund der fortgeschrittenen Stunde werde ich diesen Effekt morgen unter die Lupe nehmen.
Tschö :-)

Noch ein paar Rechnung bzgl. des Neutrino-Experiments

1. Der Sagnac-Effekt:
Dieser klassische Effekt kann zur Bestimmung der Selbstrotation genutzt werden. Betrachtet man die Erde aus dem Weltall, so haben Punkte auf dem Äquator eine höhere Tangentialgeschwindigkeit bzgl. der Rotationsachse der Erde (mit ω=2*pi/(23h56min) ), als Punkte in Polnähe.
Der Weg der Neutrinos geht vom CERN (46°14′ N, 6° 2′ O) nach Gran Sasso (42° 28′ N, 13° 33′ O). Die Strecke hat also eine Komponente die tangential zur Rotationsachse ist.
Würde man nun Interferrometrie betreiben und den einen Arm senkrecht zur Rotationsachse und den anderen parallel zur Rotationsachse und beide Strahlen interferieren lassen, so würde man ein Interferenzbild erhalten, aus dem man die Rotationsgeschwindigkeit der Erde errechnen kann. Denn das Licht des ersten Arm muss eine weitere Strecke laufen, falls die Erde rotiert, als wenn sie nicht rotieren würde.
Ok, wahrscheinlich habe ich den Effekt komplizierter erklärt, als er ist. Es geht darum, dass sich aus Sicht eines äußeren Inertialsystems (Weltall) Gran Sasso schneller in diesem Raum bewegt, als CERN.
Schaut man sich dieses Bild vereinfacht auf einer rotierenden Scheibe an, so wäre der Effekt maximal, wenn CERN und Gran Sasso auf dem gleichen Radius liegen würden (also auf einer Strecke vom Mittelpunkt ausgesehen) und CERN etwas näher am Mittelpunkt als Gran Sasso.
Für den Geschwindigkeitsunterschied aufgrund dieses geometrischen Effekts sind nur die Nord-Koordinaten ausschlaggebend.
Man kann leicht eine Formel für den tangentialen Geschwindigkeitsunterschied herleiten:
Δv=ωR(cos(θ_CERN)-cos(θ_GranSasso))
Dabei ist R der Erdradius von ca. 6370 km und die Winkel ergeben sich aus der richtigen Umrechnung aus den obigen geographischen Koordinaten.
Die Neutrinos fliegen ca. 2 ms durch die Erdkruste, das Δv gibt den Geschwindigkeitsunterschied für den Sagnac-Effekt der beiden Punkte der Flugstrecke an.
Daraus folgt eine Ungenauigkeit in der Flugstrecke der Neutrinos von
ΔL=Δv*2ms=0,042 m=4,2 cm.
Zusätzlich würde das zu einer Streckenverlängerung und nicht zu einer Verkürzung führen, da die Erde sich so dreht, dass Gran Sasso vor den Neutrinos "wegläuft".

2. Zeitdilatation (SRT)
Wie beschrieben, aus einem Inertialsystem betrachtet, bewegt sich Gran Sasso schneller, als CERN. Dies führt dazu, dass ein Vergleich der Uhren des CERN und Gran Sassos jeweils eine Zeitverzögerung aufzeigen würden.
Dieser Effekt ist von der Relativgeschwindigkeit abhängig und würde "doppelt" eingehen, wenn beiden Experimentatoren der maximale Fehler unterlaufen würde.
Die Relativgeschwindigkeit v ergibt sich aus der obigen Rechnung: 4,2 cm / 2 ms = 21 m/s.
Zeitdilatation: T_0=T'*sqrt(1-v^2/c^2).
Daraus ergibt sich ein maximaler Fehler von (mit T'= 2 ms)  ΔT=2*(T_0-T')<10^(-11) ms=10^(-5) ns.
Dieser Effekt ist also auch zu vernachlässigen.
Nachher werde ich die Zahlen nochmal überprüfen (sieht mir etwas zu klein aus) und noch was zur Zeitdilatation aufgrund der Gravitation sagen.

Tschö!

Samstag, 24. September 2011

Neutrinos schneller als das Licht?

Gestern wurde ein Paper mit der Überschrift "Measurement of the neutrino velocity with the OPERA detector in the CNGS beam" veröffentlicht, in welchem Forscher des OPERA-Experiments in Gran Sasso und Forscher des CNGS-Experiments am CERN ein für die Physikergemeinde sehr faszinierendes Messergebnis veröffentlichten: Die Geschwindigkeit von Neutrinos ist größer als die des Lichts im Vakuum. Falls sich dies als stichhaltig herausstellen sollte, wäre es wahrscheinlich die größte Sensation der Physik der letzten 50 Jahre oder mehr, denn es bringt möglicherweise ein Fundament der modernen Physik ins Wanken. Denn ein Fundament Einsteins Relativitätstheorie ist, dass die Lichtgeschwindigkeit eine universelle Geschwindigkeitesobergrenze darstellt.

Ich werde nun ein bisschen tiefer in die Materie gehen und folgendes bleuchten:
  1. Was sind Neutrinos
  2. Neutrino-Experimente
  3. Wie haben die Forscher die Geschwindigkeit der Neutrinos gemessen?
  4. Kommentare meinerseits zum Messergebnis
  5. Implikationen dieser Messung auf die heutige Physik
1. Neutrinos (nicht zu verwechseln mit Neutronen = neben den Protonen und Elektronen Bausteine des Atoms) sind Elementarteilchen und wurden 1930 aufgrund von Impulserhaltung im Beta-Zerfall von Neutronen von Wolfgang Pauli1 postuliert, aber erst 1956 nachgewiesen und gehören daher zu den neueren Elementarteilchen, die den Physikern bekannt sind.
Neutrinos geben viele Rätsel auf und sind schwer zu detektieren, da sie nur schwach wechselwirken. Von den drei Wechselwirkungen: Elektromagnetische, Starke und Schwache Wechselwirkung, wirkt nur die letztere auf Neutrinos. Neutrinos sind also elektrisch neutral und durchdringen jedes Material, was sich ihnen in den Weg stellt.
Als man anfing solare Neutrinos2 zu messen, stieß man auf folgendes Problem. So genannte Standard-Sonnen-Modellen (SSM) sagten einen gewissen Neutrinofluss auf der Erde voraus, aber man maß weniger als 1/3 dieses Neutrinoflusses. Die Lösung brachte die Idee, dass es 3 Arten (Elektron-Neutrino, Myon-Neutrino und Tauon-Neutrino) von Neutrinos gibt und sich diese während des Fluges von der Sonne zur Erde ineinander umwandelten (Neutrinooszillation). Das SSM sagte eine gewisse Anazhl von Elektron-Neutrinos auf der Erde voraus und das Experiment zur Messung auf der Erde war nur sensitiv für diese eine Art. Die fehlenden 2/3 Neutrinos, waren Elektron-Neutrinos, die sich auf dem Flug zur Erde in Myon- bzw. Tauon-Neutrinos umgewandelt hatten und daher nicht gemessen werden konnten.
Diese Neutrinooszillationen sind aber nur möglich, wenn alle drei Neutrinoarten eine von Null verschiedene Masse und zusätzlich alle drei unterschiedliche Massen haben. Zu Anfang war man der Meinung, dass Neutrinos wie Photonen masselose Teilchen sind. Daher3 wurden viele Experimente ersonnen, um die Neutrinooszillationen und die Masse von Neutrinos zu untersuchen.

2. Im Prinzip gibt es 3 Arten von Experimenten um die Eigenschaften von Neutrinos zu vermessen.
Zuerst zur "Direktmessung":
Man untersucht den Beta-Zerfall von Tritium (Natürliches Isotop von Wasserstoff) und vermisst das Energiespektrum der beim Zerfall
 (n=Neutron, p=Proton, e=Elektron, nu_e=Elektron-Neutrino)
ausgesandten Elektronen4. Daraus kann man aufgrund von Energie und Impulserhaltung auf die Ruhemasse von Neutrinos schließen.
Das faszinierende bei diesen Experimenten ist, dass überwiegend "negative Massenquadrate" gemessen wurden.
Durch einfache Impuls und Energieerhaltung kommt man auf die Gleichung
die die Energie der detektierten Elektronen in Abhängigkeit von der Elektron-Neutrino-Masse-zum-Quadrat und den Neutrino-Impuls angibt. E_0 ist eine bekannte Konstante. Die höchste Elektronenenergie ergibt sich, falls das Neutrino keinen Impuls hat und damit der hintere Summand in der Wurzel Null wird. Vermisst man also das Energiespektrum der Elektronen, dann bekommt man die Masse des Neutrinos aus dem Schnittpunkt des Spektrums mit der Energieachse: Im unteren rechten Bild: Schnittpunkt der blauen bzw. roten Kurve mit der blauen Linie.


 Die beiden Bilder zeigen das Energiespektrum der Elektronen, also die Anzahl der Elektronen gegen ihre Energie. Da überaus wenige Elektronen die maximale Energie erreichen (grau schraffiertes Gebiet), kann man nicht einfach den Schnittpunkt bestimmen, sondern versucht die theoretische Kurve, die durch die obige Formel gegeben ist, so gut wie möglich an die Messwerte anzupassen, indem man das unbekannte Neutrinomassen-Quadrat variiert (Physiker nennen das einen Fit). Es stellte sich heraus, dass der beste Fit, also die beste Übereinstimmung mit den gemessenen Daten, bei einem Massenquadrat nahe Null, aber negativ, ergibt. Das Neutrinos sehr leicht sind, stimmt mit den Erwartungen überein, aber ein negatives Massenquadrat würde eine imaginäre Masse bedeuten. Imaginäre Massen sind physikalisch nicht ad hoc zu verstehen, aber wir kommen darauf später zurück, wenn es um Tachyonen geht. Das gerade beschriebene Experiment wurde u. A. in Mainz durchgeführt und näheres dazu kann man in der Veröffentlichung The neutrino mass direct measurements von Ch. Weinheimer nachlesen. Es liegt nahe, dass das negative Massenquadrat nicht tatsächlich durch eine imaginäre Masse hervorgerufen wird, sondern durch weitere unberücksichtigte Energieverluste der vermessenen Elektronen.

Neutrinooszillationen
Ein weiterer Ansatz zur Vermessung der Neutrinomasse ist indirekt und geht über die Vermessung der Neutrinooszillationen, also der Umwandlung der drei Neutrino-Arten. Solche Experimente werden in den USA (SNO-Experiment = Sudbury Neutrino Observatory), in Japan (KamLAND-Experiment) und in Europa (CNGS-Experiment= CERN Neutrino to Gran Sasso) durchgeführt.

Beim Gran Sasso-Experiment, wird am CERN ein Neutrinostrahl erzeugt, der 732 km durch die Erdkruste geschickt wird und dann in Gran Sasso am OPERA-Experiment vermessen wird. Die Wahrscheinlichkeit Neutrinos in einer der 3 Arten vorzufinden ist abhängig vom Ort und indem man die Anzahl von Neutrinos einer Art in Abhängigkeit vom Ort vermisst, kann man auf die Massendifferenz der drei Neutrinoarten schließen.

Die Neutrinooszillations-Thematik ist ein breites Feld, aber der Grundgedanke ist quantenmechanischer Natur und wird dadurch erklärt, dass die Flavour-Eigenzustände nicht gleich den Masse-Eigenzuständen sind. Diese Massenzustandsmischung wird durch die MNS-Matrix beschrieben. Ob diese Matrix unitär ist, was das mit der CP-Verletzung zu tun hat und wie genau die "Mischungswinkel" sind usw., darum kümmern sich Myriaden von Teilchenphysikern.... ich schweife gerade ab... zurück zum Thema.



Natürliche Neutrinos
Eine dritte Möglichkeit ist das vermessen von natürlichen Neutrinos, also Neutrinos, die aus dem Weltall kommen oder in der Atmosphäre aufgrund von anderer kosmischer Strahlung entstehen. Dies wird u. A. an den oben genannten Experimenten durchgeführt. Explizit in unserem Zusammenhang muss man aber das Super-Kamiokande-Experiment aus Japan erwähnen.  Hier wurden 1987 elf Neutrinos 3 h vor dem Lichtblitz eines explodierenden Sterns (Supernova1987A) beobachtet. Die Interpretation dieser Messung besagt, dass die Neutrinos auch von der Supernova stammen und etwas früher auf der Erde detektierbar waren, da sie weniger mit Materie wechselwirken, als Photonen (der Lichtblitz) und daher bei der Explosion dem Stern eher entkommen konnten als die Photonen. Aus der Zeitverzögerung zwischen Neutrinos und Lichtblitz und der ungefähren Entfernung der Supernova1987A lässt sich der Geschwindigkeitsunterschied von Photonen und Neutrinos (v-c)/c<10^(-9) berechnen. Diese Messung steht sehr im Widerspruch zu der aktuellen Neutrino-Geschwindigkeitsmessung am CNGS-Experiment, um dessen Implikationen und Probleme es im Weiteren dieses Artikels gehen soll. Das entsprechende Paper bzgl. des Supernova1987A-Neutrinoausstoßes gibt es hier http://prl.aps.org/abstract/PRL/v58/i14/p1490_1.

3. Das CNGS-Experiment, wie oben beschrieben erzeugt Neutrinos, die am OPERA-Experiment, welches in direkter Linie 732 km entfernt ist, detektiert werden. Die Forscher haben in den letzten 3 Jahren insgesamt 16111 Neutrinos gemessen (was wiedereinmal zeigt, wie schwer und selten sich Neutrinos detektieren lassen) und haben die Flugzeit der Neutrinos "gestoppt". Dabei stellte sich heraus, dass die Neutrinos 60 ns schneller waren, als Licht im Vakuum. Dies stellt in zweierlei Hinsicht ein Problem dar. Laut den Axiomen der Relativitätstheorie darf kein Teilchen schneller als Licht sein und nur masselose Teilchen dürfen genausoschnell wie Licht sein.
Nun sollen Neutrinos laut den CNGS-OPERA-Forscher schneller als Licht sein, obwohl sie eine von Null verschiedene Masse besitzen.
Die Forscher haben lange gezögert und alle Messergebnise mehrfach überprüft bevor sie diese Sensation veröffentlicht haben. Nach einem Blick ins Paper ist klar, dass garantiert kein trivialer Fehler gemacht wurde. Außerdem hatte 2007 das MINOS-Experiment ähnliches gemessen. Doch dort war der Fehler auf die Messwerte noch so groß, dass das Messergebnis nicht unbedingt überlichtschnelle Neutrinos bedeutete. Die Frage jetzt ist hauptsächlich, nicht ob die 60 ns, die die Neutrinos zu schnell gewesen sind, nicht richtig gemessen wurde, sondern ob die von den CNGS-Forschern angegebene Messgenauigkeit von 6,9 ns (statistischer Fehler) + 7,4 ns (systematischer Fehler) haltbar ist. Dies bedeutet nämlich ein sogenanntes 6-Sigma-Signal. Das bedeutet, dass die Neutrinos zu 99,99966% schneller sind als Licht. Revolutionen der Physik müssen natürlich auch mit spektakulärer Sicherheit gemessen werden. Daher überprüft jetzt auch die gesamte Physikergemeinde, ob die Fehlerangabe haltbar ist (oder ob nicht eine Fehlerquelle übersehen wurde) und ob der Messwert, also die 60 ns reproduzierbar sind. Physiker in den USA und Japan werden versuchen dieses Ergebnis zu reproduzieren. Erst wenn diese beiden Tests erfolgreich abgeschlossen wurden, kann man ernsthaft davon reden, dass Neutrinos schneller als Licht sind.
Da diese Messung ein solch fundamentales Prinzip der Physik verletzt, sind viele Physiker skeptisch (mich eingschlossen), ob nicht doch ein Fehler  den Experimentatoren unterlaufen ist. Dazu nun einige Kommentare

4. Oben habe ich die beobachtete Verzögerung zwischen dem Lichtblitz und den Neutrinos der Supernova1987A erwähnt. Im Widerspruch zu diesen Daten publizieren die CNGS-Forscher aus ihren Messwerten einen Geschwindigkeitesunterschied zwischen Neutrinos und Photonen von
(v-c)/c = 2,48 10^-5, also 4 Zehnerpotenzen größer.
Das bedeutet, dass die Neutrinos nicht 3h vor dem Lichtblitz die Erde erreicht hätten, sondern 3-4 Jahre vorher (Diese Zahl schwankt um 1 Jahr, da die Entfernung der Supernova nicht so genau bekannt ist: 157.000 ± 16.000 Lichtjahre).
Leider war das Super-Kamiokande-Experiment 1983 noch im Aufbau, d.h. man kann nicht überprüfen, ob nun doch 3-4 Jahre vor der Supernova (1987) Neutrinos aus der Richtung die Erde getroffen haben und die 11 Neutrinos, die 3h vor dem Lichtblitz gemessen wurden eine andere Ursache haben.
Aufjedenfall widersprechen sich beide Experimente und ich erwarte die Auflösung dieses Widerspruches mit Hochspannung :-)

Geschwindigkeit ist Strecke pro Zeit. Die Neutrinoflugstrecke ist 732 km lang. Können die CNGS-Forscher die Entfernung überhaupt so genau  kennen? Dies ist die offensichtlichste Frage, die sich bestimmt jeder gestellt hat. Die Antwort darauf ist aber ein klares ja. Um die 60 ns durch die Ungenauigkeit der Streckenmessung zu erklären, hätten sich die Forscher um 18 m vermessen müssen. Jeder der ein Navi im Auto hat, weiß, dass das billigste Navi auf 1-2 m genau ist und hier handelt es sich um Spitzenforschung. In der Veröffentlichung wird geschrieben, dass sie die Entfernung auf 20 cm genau vermessen haben.

Haben die Forscher Effekte der Allgemeinen Relativitätstheorie berücksichtigt?
Hier kann ich nur sagen, ob sie das getan haben, weiß ich nicht, aber gravitative Effekte können niemals eine Zeitverzögerung in dieser Größenordnung erklären. Dazu kann man folgende Überlegung durchführen.
Sterne und Planeten krümmen den Raum und das führt zu Effekten wie der Lichtablenkung. Dies führt dazu, dass z.B. Licht von Sternen direkt hinter der Sonne um die Sonne herumgeleitet wird und wir trotzdem dieses Sternenlicht sehen, obwohl "auf gerader Linie" die Sonne den Stern für uns von der Erde verdecken würde. Diese gravitativen Effekte würden zwar zu einer Streckenverlängerung statt zu einer Streckenverkürzung führen (ein Bogen ist länger als seine Sehne), aber sie geben einen Anhaltspunkt für die Größenordnung gravitativer Effekte.
Die Erde als Punktmasse würde Licht im Abstand des Erdradius von ca. 6300 km um einen Winkel von 3* 10^(-9) ablenken. Dies kommt aus folgender Formel (Siehe dazu zum Bsp. Fließbach - Allgemeine Relativitätstheorie):

(G= Gravitationskonstante, M_E= Erdmasse, r_E=Erdradius, c=Vakuumlichtgeschwindigkeit, DeltaPhi=Asympthotischer Ablenkungswinkel zur Lichtausbreitung auf einer Geraden).
Dies führt zu einer längeren Strecke L' (Bogen) im Verhältnis zur Strecke L (Sehne)
Delta Phi ist so dermaßen klein, dass mein Taschenrechner keine Abweichung zwischen L' und L berechnen kann. Demnach hat dieser Effekt erst in der 9. Nachkommastelle von L einen Effekt. Dass heißt bei L=732 km ist dieser ART-Effekt in der Größenordnung von Mikrometern (Millionstel Meter). Da die Neutrinos durch die Erdkruste fliegen, müssten die Krümmungseffekte noch geringer sein, da sowohl oberhalb, wie auch unterhalb der Neutrinoflugstrecke gravitierende Masse ist. 
Obiges Bild stammt aus der Veröffentlichung der CNGS-OPERA-Forscher und zeigt das Monitoring der Ortsbestimmung. Sogar 4cm Verschiebung des Messstandpunktes aufgrund des l'Aquila-Erdbebens wurde detektiert. Aufgrund dieser Grafik kann man auch eventuelle Längenänderungen der Neutrinoflugstrecke aufgrund von Gezeitenkräten des Mondes oder anderer Planeten etc. ausschließen, da solche Gezeitenkräfte ein periodisches Signal (was in der Grafik offensichtlich nicht zu sehen ist) in der Ortsmessung ergeben müsste.

Eine Anmerkung noch zum Fehlerintervall das von den OPERA-CNGS-Forschern angegeben wurde. Der Systematische Fehler ergibt sich aus Fortpflanzung einer längeren Liste von systematischen Fehlern der einzelnen Messgeräte (das hört sich ein wenig verniedlicht an, die einzelnen Messgeräte sind unter anderem LKW-große Detektoren und Bauteile, die wiederum aus 1000den "Untermessgeräten" bestehen). Systematische Fehler darf man im Gegensatz zu statistischen Fehlern nicht ohne Weiteres als Wurzel der Summe ihrer Quadrate  zusammenrechnen. Dies ist zwar gängige Praxis und wurde auch hier gemacht, aber sicherlich einer der Schwachpunkte der Veröffentlichung.
Außerdem kann man hier einen Kommentar nachlesen, der den statistischen Fehler als zu klein angegeben sieht. Sollte dieser Australische Physiker Recht haben, so ist die Beobachtung, dass Neutrinos schneller als Licht sind kein 6-Sigma-Signal mehr, sondern nur ein 2-Sigma-Signal. Dies würde aber eine zu große Messunsicherheit darstellen um ernsthaft zu behaupten, dass Neutrinos schneller als Licht sind. Das Quailitätsmerkmal für solche Sensationsbeobachtungen ist in der Physikergemeinde auf 6-Sigma "festgelegt".

5. Welche Implikationen hat diese Beobachtung nun falls sie sich bestätigt?
In der Mainstream-Physik werden keine Teilchen erwartet, die die Lichtgeschwindigkeit überbieten. Daher kommt diese Beobachtung als Antwort daher, ohne dass jemand eine Frage in diese Richtung gestellt hätte.
Eine Meinung ist, dass man als Fundament der Relativitätstheorie nur eine invariante, endliche maximale Informationsgeschwindigkeit braucht. Nun wird diese nicht mehr von Photonen, sondern Neutrinos aufgestellt.
Diese Sichtweise hat aber wohlmöglich einen Haken (den ich aber selber noch nicht wirklich durchblicke), denn Einstein hat die Relativitätstheorie auf Basis der Elektrodynamik entwickelt.
Um 1900 bemerkte man, dass die Newton'sche Mechanik Galilei-Invariant war, aber die Maxwell'sche Elektrodynamik nicht. Diese ist Lorentzinvariant. Man versuchte lange die Maxwelltheorie anzupassen, bis Einstein mit seinem Relativitätsprinzip die Lorentzinvarianz als fundamental erklärte und man dann die Newton'sche Mechanik so anpasste, dass sie auch Lorentzinvariant wurde (Relativistische Mechanik).
Das Austauschteilchen der Elektrodynamik ist das Photon und dieses hat die Geschwindigkeit c. Genau dieses c steht auch in den Lorentztransformationen. Der obige "Nicht so schlimm"-Ansatz verlangt nun, dass man das c in den Lorentztransformationen durch c_Neutrino ersetzt. Aber das c, welches in den Maxwellgleichungen drinsteht, ist c_Photon und darf nicht durch c_Neutrino ersetzt werden. Die Frage ist nun, führt das zu Widersprüchen? Ist die Maxwelltheorie noch Lorentzinvariant, wenn man in den Lorentztransformationen das c austauscht, aber in den Maxwellgleichungen nicht?
Ich bin noch am Lernen und Verstehen und kann diese Frage nicht beantworten, sehe aber, dass es hier zu Problemen kommt, wenn eine Geschwindigkeit sich aufeinmal als 2 verschiedene Geschwindigkeiten herausstellt.

Zwar hat die Mainstream-Physik nicht erwartet, dass Neutrinos schneller als das Licht sind, aber es gibt Zahlreiche Physiker (seriöse), die auf diesem Gebiet forschen und das schon seit mehr als 30 Jahren.

Die Tachyonen
Die Relativitätstheorie schließt überlichtschnelle (FTL=Faster than light) Teilchen nicht unbedingt aus. Sie schließt nur aus, dass ein Teilchen von Unterlichtgeschwindigkeit  auf Überlichtgeschwindigkeit beschleunigt werden kann, denn dazu wäre unendlich viel Energie nötig (Da der Kosmos nach gängigen Urknall-Theorien (Friedmann-Kosmos etc.) endlichen Alters und Ausdehnung ist, gibt es keine unendliche Energie). Es könnte aber Teilchen geben, die immer schneller als c sind, so genannte Tachyonen.
Diese hypothetischen Teilchen sind sehr seltsam: Sie sind immer schneller als Licht und wenn sie Energie verlieren, dann werden sie schneller. Ja, richtig gelesen, sie werden schneller.
Die Argumentation läuft wie folgt:
E=mc^2=m_0c^2/sqrt(1-v^2/c^2)
Wenn nun ein Teilchen schneller als Licht ist (v>c), so wird der Radikand negativ und die Energie damit imaginär. Eine imaginäre Energie ist physikalisch unverständlich. Daher definiert man die Ruhemasse imaginär: m_Tachyon=i*z. Nun kann man E=mc^2 für Tachyonen aufstellen:
E_Tachyon=zc^2/sqrt(v^2/c^2 -1).
Ob nun eine imaginäre Masse physikalisch verständlicher als eine imaginäre Energie ist, sei dahingestellt. Dies ist aber laut Tachyonen-Forscher anscheinend sinnvoll.
Wie oben bei der Neutrino-Einführung erwähnt, wurde bei den Mainzer-Neutrino-Massenbestimmungen imaginäre Massen gemessen. Dies wäre ein experimenteller Nachweis dafür, dass Neutrinos Tachyonen sind.

Ihr merkt, hier komme ich in Untiefen der Physik, die ich (noch) nicht verstehe, aber auf diesem Gebiet arbeiten zahlreiche theoretische Physiker. Zum Beispiel wurde im Juli dieses Jahres ein Paper namens Implications for the Cosmic Ray Spectrum of a Negative Electron Neutrino (Mass)^2 von einem Theoretiker der George Mason University veröffentlicht.

Update 1:

Weitere gute Blog-Artikel zu diesem Thema (die ich größtenteils erst nach dem Verfassen meines Artikels gelesen hatte)
Update 2:

Montag, 15. August 2011

Erdbeerjoghurt Weitwurf

Es gibt zwei Arten von Menschen: Erfolgreiche und Versager. Und der Unterschied zwischen beiden ist, dass die ersteren es irgendwie schaffen die intrinsische Faulheit des Körpers auszutricksen. Ganz nach der Devise "Das Fleisch ist schwach, der Geist ist stark". Heute war für mich wiedereinmal ein Tiefpunkt erreicht. Die Faulheit hatte auf ganzer Linie gewonnen. Gestern, am Sonntag, bin ich mit dem Zug nach Hause gefahren und war erst spät zu Hause. Mir war überaus klar, was ich am Montag, also heute, zu tun hatte, um zu den Erfolgreichen zu gehören, also den Teil "der Geist ist stark" des obigen Mottos zu erfüllen. Ich müsste um 8 Uhr aufstehen, in die Küche gehen, Kaffee aufsetzen, mir Sportklamotten anziehen und 30 Minuten im Park laufen gehen. Dann duschen gehen und Frühstücken, wobei der Kaffee ja schon fertig wäre. Dann hätte ich noch eine Stunde Zeit um im Internet auf den üblichen Nachrichtenseiten nachzuschauen, ob die Welt schon untergegangen ist oder es erst nächste Woche tut und dann um 10 Uhr wäre ich zur U-Bahn gegangen und zur Arbeit gefahren, um dort um 11 Uhr anzufangen. Dann meine 4 Stunden abzureißen und anschließend um 16 Uhr zu Hause zu sein. Nun hätte ich mir etwas gekocht, ein wenig entspannt und ab 17 Uhr ein bisschen für meine nächste Prüfung in 10 Tagen gelernt.
So hatte ich am Sonntagabend meinen Montag geplant und wäre damit sportlich und erfolgreich gewesen. Ich hätte am Abend zu mir sagen können: Super, ich liebe dich! Dann hätte ich noch mehr Motivation für einen noch besseren Dienstag gehabt und wäre letztendlich zu einem sehr erfolgreichen Mitglied unserer Gesellschaft geworden.
Tja... Leider ist mein schwaches Fleisch stärker als mein Geist. Ich habe meinen Wecker einfach am Montag nach dem ersten Klingeln ausgeschaltet und genüsslich bis 11 Uhr geschlafen. Nun war es unausweichlich aufzustehen und total verschlafen, ohne zu Duschen, nur flüchtig Zähne geputzt, zur U-Bahn zu laufen, um zur Arbeit zu kommen. In der U-Bahn einen Kaffee und ein Brötchen als Frühstück gekauft und um 12 bei der Arbeit gewesen. Die 4 Stunden Arbeit mussten getan werden und dann war ich um 17 Uhr zu Hause. Dort angekommen, ärgerte ich mich über mich selbst, dass ich den halben Tag verschlafen hatte, so dass ich keine Motivation mehr hatte, um noch ein bisschen zu lernen. Nun ist es 21 Uhr und ich hocke vor dem Fernseher und ich frage mich, warum ich es einfach nicht schaffe das geplante durchzuführen. Wenn es so wie ich es plane, laufen würde, dann wäre alles so schön. So wie es läuft ist aber alles scheiße und ich bekomme schlechte Laune. Heute Abend kann ich nur zu mir sagen: Super! Ich hasse dich. Und das ist kein guter Ansatz um mich morgen anders zu verhalten. Ich stecke in einem Teufelskreis, dem ich nicht entfliehen kann. Ich werde immer nur das schaffen, was ich absolut muss, nicht mehr und damit bin ich ein Versager. Alles nur, weil mein Fleisch stärker als mein Geist ist.
Als ich von der Arbeit wiederkam, kam ich beim Kaiser's vorbei und wollte mir etwas zu Essen kaufen. Mein Selbsthass war ins unermessliche gestiegen als ich mit einem Glas Erdbeerjoghurt aus dem Laden kam. Ich beugte mich über, um mein  Fahrrad aufzuschließen. Da ging ein übelaussehender Kerl an mir vorbei und ich hoffte, dass er mir mein Portemonaie aus meiner Gesäßtasche klauen würde, denn dann hätte ich ihm das Joghurtglas hinterher schmeißen können und damit ein bisschen Wut abbauen können. Aber dieses Glück war mir nicht gegönnt. Ich musste voll Ärger und Hass auf alles und mich selbst nach Hause gehen.

Samstag, 6. August 2011

Was passiert am Montag?

Heute (am Samstag) hat Standard & Poor's die Bewertung von US-Staatsanleihen von AAA auf AA+ gesenkt. Schon die gesamte letzte Woche sind der DowJones und der DAX massiv gesunken. Fast der gesamte Jahresgewinn ist Futsch. Nun kommt diese "Horrorbotschaft". Wie wird die Börse am Montag bei Handelsbeginn reagieren? Ich frage mich auch, warum Standard & Poor's solch brisante Botschaften an einem Samstag verkünden, wo kein Aktien gehandelt werden? Soll man das Wochende über diese Botschaft sinnieren und dann voller Panik am Montag alles verkaufen???
Ich wette auf einen katastrophalen Börsen-Montag! Der Dax wird unter die 6000-Marke fallen.
Mal schauen wie es ausgehen wird. Ich wollte meine Wette nur mal dokumentieren, damit ich Vorhersage mit tatsächlichem Eintritt vergleichen kann.
Tschösen