Samstag, 29. Dezember 2012

Die 10 nervigsten Dinge am Autofahren in den USA als Europäer

Dem Deutschen liebstes Kind ist ja bekanntlich das Auto. Nachdem ich nun in Kalifornien war kann ich diesem Satz nur noch ein viel müderes Lächeln abringen als sonst: Denn er ist kompletter Unsinn. Vielmehr muss es heißen:

Dem Amerikaner liebstes Kind ist das Auto.

Einen Urlaub in Kalifornien ohne Mietwagen kann man getrost in die Tonne treten, denn man kann nichts fußläufig erreichen. Niemand (außer in San Francisco) läuft abends auf der Straße vom Hotel zum Restaurant o.ä. alle fahren mit dem Auto. Gerade in Sacramento ist das besonders bemerkenswert, hier hat jedes Restaurant ein paar Jungens vor der Tür stehen, die für $5 das geliebte Auto parken.
Die gesamte amerikanische Infrastruktur ist darauf ausgelegt, dass sich der Amerikaner niemals fußläufg außerhalb der eigenen Wohnung und dem Zielort aufhält. Daher sind auch kleinste Wohnviertelstraßen so breit wie eine große deutsche Bundesstraße.

Zum Glück haben wir einen Mietwagen und dieser ist auch höchst komfortabel. Die ersten Kilometer (bzw. Meilen, aber dazu gleich mehr) sind auch angenehm zu fahren. Amerikaner fahren rechts, Deutsche fahren rechts. In Kalifornien gibt's Ampeln, in Deutschland gibt's Ampeln. Alles kein Problem.

Aber dann, nach einiger Zeit wird man mit Fahrverhalten und Signalen etc. konfrontiert, die einen normalen Europäer, der sich nicht explizit mit den Amerikansichen Regeln vertraut gemacht hat, verzweifeln lassen (und leichte Panik hervorrufen)

  1. Geschwindigkeitsgrenzen: Meiner Meinung nach, weiß niemand wie die Geschwindigkeitsgrenzen in Kalifornien genau sind. Es ist wohl so, dass man 25 mph in der Innenstadt fahren darf, 35 mph auf „größeren“ Straßen in der Innenstadt sowie 55 mph bzw. 65 mph (selten 70 mph) auf Freeways und Highways. Falls Geschwindigkeiten ausgeschildert sind, so fahren aber alle anderen ziemlich genau 5 mph schneller als auf dem Schild steht. Nur wenn der Highway auf 70 mph begrenzt ist, scheinen sich alle an diese Geschwindigkeit zu halten. In den meisten Fällen ist aber kein Geschwindigkeitsschild sichtbar und auch nicht ersichtlich ob man nun 25 oder 35 mph fahren darf.
  2. Nicht-Existenz des Rechtsfahrgebotes: Man fährt schon auf der rechten Straßenseite, aber man muss in Kaifornien nicht in der rechten Spur auf mehrspurigen Straßen fahren, also die linke nur zum Überholen nutzen. Tatsächlich darf man auch rechts überholen. Ziemlich jede Straße in Kalifornien hat mehr als 2 Spuren pro Fahrtrichtung und es ist völlig normal, dass einen Leute rechts überholen, wenn man zu gemächlich in der Mittelspur umherfährt. Dies führt dazu, dass man beim Spurwechseln höllisch aufpassen muss niemanden zu rammen.
  3. 4 Way stops: An einer Kreuzung hat jeder ein Stopschild vor sich. Der normale Europäer würde nun stoppen und „rechts-vor-links“ walten lassen. Nun in Kalifornien sieht's anders aus. Hier stoppt man am Stop-Schild und lässt denjenigen passieren, der zeitlich vor einem gestoppt hat. Dann fährt man selbst. Nix mit rechts vor links.
  4. 2 way stops: Eine Kreuzung mit 2 Stop-Schildern an gegenüberliegenden Straßen und die senkrecht dazu liegende Straße hat gar keine Schilder. Falls man auf der mit Stop-Schildern beschilderten Straße ist, so stoppt man und fährt erst, wenn man „freie Bahn“ hat. So weit so gut. Falls man aber auf der Straße ohne Schilder ist, bekommt man als normaler Europäer Panik, da man mit 50 km/h unvermittelt auf eine Kreuzung zubrettert und rein intinktiv eine Vollbremsung durchführen möchte um nach „rechts-vor-links“ zu verfahren. Aber nein! Hier in Amerika ist eine Straße ohne Beschilderung eine Vorfahrtsstraße.
  5. Einheitensystem: Miles anstatt km, Gallons anstatt Liter, Grad Fahrenheit anstatt Grad Celsius. Arggh! Ein Auto was 30 miles per gallon Verbrauch hat, ist das nun gut oder nicht??? Ja, viel Spaß beim Umrechnen. Eine Meile sind ca. 1,4 km und eine Gallone ca. 3,8 l.
  6. Durchgezogene Linien: An Kreuzungen sind senkrecht zur Fahrbahn immer 2 durchgezogene Linien, die man überfahren muss. Dies erzeugt Anfangs ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Denn in Deutschland soll man durchgezogene Linien ja gerade nicht überfahren.
  7. Ampeln: Die Ampeln sind immer hinter der Kreuzung und nicht wie in Deutschland vor der Kreuzung. In einigen Fällen mit vielen Ampeln ist es teilweise erst nach langem Überlegen klar, welche Ampelanlage nun für einen zuständig ist. M.E. eine totale Katastrophe. Amerikaner finden das aber anscheinend total super.
  8. Blinkende Ampel die auf Ampel hinweist: Öfters hat man eine gelb blinkende Ampel ein paar 100 Meter vor einer normalen Ampel. Diese blink-Ampel soll einem nun nur sagen, dass in 100 Metern eine richtige Ampel kommt. Super! Man erschrickt sich erstmal dermaßen, dass diese Warnung totaler Quatsch ist.
  9. Rot blinkende Ampelanlage: Als normalo Europäer hat man keine Chance herauszufinden was das nun zu bedeuten hat. Auflösung: rot blinkende Ampel bedeutet, dass die Kreuzung wie eine 4 way-Stop Kreuzung behandelt werden soll.
  10. Turn right on red: Erstmal verwirrend wenn jemand einen anhupt, weil man an einer roten Ampel rechtsblinkend steht. Wenn man es weiß, dann ist's ganz nützlich.

Keine Kommentare: